JULIS UPDATE: PROSANOVA 2014, FESTIVAL FÜR JUNGE LITERATUR. DER ÜBERBLICK.

ich soll endlich damit anfangen, abfalllogistisch zu denken, sagt man mir am telefon, als ich mich nach mülltonnen und müllentsorgung erkundige, und vor allem erstmal wissen, was ich genau will. was ich genau nicht will ist: eine eröffnungsrede halten. an diesen tagen gibt es viel zu tun: paletten müssen verbaut, möbel verschleppt, girlanden bestellt und bachelorarbeiten geschrieben werden. das ist normal bei festivals. nicht normal ist, dass zoe und milan bis tief in die nacht vor dem infokiosk den ultimativen stundenplan anbringen, weil sie einfach so sehr wollen, dass die linien gerade sind. marina und ich haben berechnet, dass wir ungefähr 10.000 klopapierrollen in der metro kaufen müssen, marina will von allen sachen 1000 kaufen, weil sie 1000 liebt. curry kalle freut sich auf prosanova. johanna sagt, sie kann einen motorroller und eine betonmischmaschine für die rottenkinckshow besorgen. luca hat sich in ein sofa verliebt. oft sagen leute, es ist sehr stressig, aber in wirklichkeit laufen alle sachen wie am schnürchen. philipp hecht würde gern mehr vom prosanova geist aufsaugen. rebecca freut sich auf die goldparty, weil sie ihre augenringe mit gold überdecken mag. dinge, die wir uns momentan fragen, sind: wie bringt man gold auf alle leute gleichzeitig? woher bekommt man eine hochwertige kaffeemaschine, die nicht gekauft werden muss? wie soll man jemals allen leuten bei exchange-alert die sachen wieder zurückbringen können? welchen kuchen essen leute gerne? wann fährt jana remus zur göttinger literarischen gesellschaft und wird sie von dort zurückkehren? ich liebe tatjana, weil sie eine überraschung bereit hält, für den zeitpunkt des durchdrehens aber ich befolge den rat meines vaters: cool bleiben. zoe, milan, julia aus der schweiz und luca spielen tischtennis; weil es nur drei schläger gibt, benutzt der vierte ein buch. von den würstchen der tag der offenen tür ernähren wir uns heute noch, der ketchup reicht bis zum ende unseres lebens. jaqueline und stephi haben die erste version der festivalzeitung parat und sind auch zufrieden damit. meloudie ist faltsüchtig geworden und holt sich auch sonntags auf dem festivalgelände bücher ab, um sie zu falten, während benjamin in voller panik den fast weggewehten pavillon irgendwie ineinander stopft. isi schwenks team hat uns besucht und bespielt eine eigene insel. vera gefällts gut. auf dem festivalgelände dürfen die brennnesseln nicht vernichtet werden, weil für einige schmetterlinge gerade nistzeit herrscht und wir uns daran halten müssen (und viele von uns wollen das auch). benjamin kleidet sich beim streichen des holzes für den white cube nur in weiß, was komisch aussieht, aber heute war er beim friseur, deswegen nimmt man die veränderung in kauf. er verspürt oft das dringende bedürfnis, sich seiner schuhe zu entledigen. der gin am kiosk kostet 8,40, ich bin 23. dirk ist der boss von der literaturkiche und hat uns auf dem gelände besucht. sein anfang mai geborenes baby hatte er in einem umhängedings vor seinem körper, so dass wir danach darüber gesprochen haben, weil nur manche das sehen konnten. kumpelfotografie läuft in diesen tagen auf hochtouren, nur rossmann ist bei der filmentwicklung so unzuverlässig, dass ich oft wie ein weinender welpe vor den fotobestellungen stehe und mit gebrochenem herzen wieder weggehen muss. die openofficedatei der pressemappe umfasst über 90 mb. wie hochauflösend können bilder denn sein? wenn man etwas beantragt (zum beispiel müllentsorgung, toiletten, bauzäune), muss man sehr betonen, dass man ehrenamtlich ist, weil die leute ja schließlich wissen wollen, was sie unterstützen. es kommen die ersten anfragen, was mit den möbeln, den paletten und sonst auch allem passiert; eine frage, die uns den aufblasbaren baseballschläger zücken lässt, den wir für die fightnight besorgen müssen. leo und sarah von der hawk kommen oft vorbei, weil sie den flur ausleuchten, aber einmal war nur leo da, weil sarah migräne hatte. henning, der für die installationen in der steinhalle verantwortlich war, ist vor netto von einem auto angefahren worden. sophia hat ihn gerettet und sehr schnell erbsen bei netto gekauft, um ihn bei der kühlung zu unterstützen. die andere sophia will uns viele pflanzen besorgen. 116 künstlerinnen und künstler haben wir eingeladen. in mir etabliert sich das gefühl einer mutter, die gut darauf bedacht ist, ihre kinder vor bösartigen fremdeinflüssen zu schützen. diese kinder sind nicht prosanova. diese kinder sind die, die tatjana gerade in die schichtpläne für die letzte festivalwoche einträgt oder alina rohrer, die gerade wieder nussschnecken vorbeigebracht hat oder jonathan, der sich einfach mal so den wischmop schnappt und den bookroom durchfegt. als wir uns daran erinnert haben, dass am 25. mai die europawahl im litradio-flur stattfindet, haben wir drei herzattacken hintereinander bekommen, uns dann an die perfekte organisation vom tag der offenen tür erinnert und sind jetzt wieder normal. am sonntag hat jeder von uns radio tonkuhle gehört, weil sophia und miss sophie und christoph und thomas mielmann einen beitrag gemacht haben. erst drei stunden später konnte ich mich wieder von radio tonkuhle lösen. wir denken noch gar nicht daran, was wir uns von den partys erwarten; wir überlegen: wie kann man es schaffen, so viele kisten zu lackieren, woher kriegt man schiffe und bäume und das internet? welche möbel benötigen die künstler? was passiert da? wo sind wir an diesen zeitpunkten? wer weint als erster? fritz ist beim badminton ins loch gefallen. alona liebt den buchstaben i: auf alle besorgungslisten schreibt sie: käsi, lampenschirmi, aschenbechi. sie hat ins festivalbüro ein fondue-set mitgebracht. für sophia habe ich ein kind besorgt; jetzt brauche ich nur noch „zwei erwachsene männer, die einfach nur mit einem rollstuhl auf dem gelände rumfahren müssen“. pascal reist aus bukarest an, um dieses event mitzuerleben. mit der partyvorbereitung von gesche und hannah läuft es sehr gut. mittlerweile gibt es acht anmeldungen für die pressekonferenz. guido hat zu mir gesagt, dass sein litradio-team den schichtplan in einer sekunde im internet erstellt hat. franzi schurr hat uns auf dem festivalgelände besucht, ihr gefällt es sehr gut. beim tag der offenen tür stand bernd, der hausmeister, mit benjamin im zweiten stock der schule, von dem aus man alle inseln überblicken kann. er hat gesagt: das ist genau richtig, wie ihr das macht. ich bereue, dass ich es in meiner jugend nicht so gemacht habe. ich werde euch nach prosanova vermissen. was komisch für ist, weil er eigentlich kein emotionaler typ ist. litradio macht eine umfrage. in der prosanova-woche gibt es entweder drei gewitter oder es wird sehr sonnig. noch in dieser sekunde beginne ich damit, abfalllogistisch zu denken. das ist der überblick.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

SchöneSeiten

www.schoeneseiten.net | Blog für Gegenwartsliteratur

Leo's Literarische Landkarten

Geographie in Texten und Liedern.

stefan mesch

Literature. TV. Journalism.

new location: visit blog.kreativsaison.de

new location: visit blog.kreativsaison.de

The Daily Frown

Das Magazin für Musik Literatur Alltag

%d Bloggern gefällt das: