Archiv für den Monat August 2014

EINIGES ÜBER ISLAND | TEIL 5: ESKIFJÖRDUR

Eskifjördur ist eine Fischerstadt im Nordosten Islands – mit ungefähr 300 Einwohnern, einem gigantischen Fjord und Gabriel, der in diesem DERM auch stellvertretend für das Alkoholverhalten aller Isländer stehen wird. Gabriel, 20, in Eskifjördur aufgewachsen und jetzt auch in der ortsansässigen Aluminium-Fabrik arbeitend, liebt den Sommer hier vor allem wegen der zahlreichen Festivals und hat in der letzten Woche etwa 200 Euro ausgegeben, um sich für ein Wochenende mit Alkohol zu versorgen. Was er auch gerne trinkt: Den isländischen Todesschnaps, der dich blind machen kann, weil er praktisch purer Spiritus ist und deswegen gut mit Cola oder ähnlichem gemischt werden muss.

Die eskifjördsche Höchsttemperatur in diesen Tagen beträgt 14 Grad. Besonders empfehlenswert ist der Hotdog (!) und das Eis (!) in der Tankstelle (das einzige Geschäft, das zu bestimmten Zeiten zumindest jeden Tag der Woche geöffnet ist). Zur alten Schule, meiner Unterunft in Eskifjördur, gibt es eine Sage: Als sie geschlossen wurde, hat sich die cleaning lady aus Frust wegen Jobverlust im Keller aufgehängt und spukt nun als Geist durch die Räume. Neuer Geist: Dalton, 12, kommt eigentlich aus Amerika, wohnt aber seit ein paar Jahren in Eskifjördur und hat in acht Monaten Isländisch gelernt. Er liebt „food, swimming, dogs and people“, kann ausgezeichnet zu Dubstep tanzen, mag kein Sushi, keine construction und sagt am liebsten „I’m watching you.“ Dalton möchte oft zu Ausflügen mtikommen, aber ist ja erst 12 und es ist schwierig, mit einem Kind in einer Bar zu sein; auch wenn Dalton anbietet, vor der Bar zu warten und inzwischen Handygames zu spielen.

Seit ich in der einzigen Bar des kleines Dorfs (Gabriel hat versprochen, dort findet jeden Samstag die Karaoke-Night statt, nur leider fehlen die Teilnehmer und die Hotels sind ausgebucht, sodass die Veranstalter Rücksicht auf die Reisenden nehmen und die Karaoke-Night erst wieder im September startet) eine etwa 50-jährige Grönländerin kennengelernt habe, nähere ich mich einem Klische, das ich bisher noch nicht persönlich erkunden konnte: Vor ein paar Jahren habe ich irgendwo gelesen, dass es wegen der finsteren Lichtverhältnisse in Grönland eine gesteigerte Selbstmord- und auch Alkoholikerrate gebe; woran ich mich erinnere, als mir die Grönländerin etwas auf Grönländisch sagt und mir dabei ihre letzten 50 Weinschorlen ins Gesicht pfeift.

Nicht selten sieht man in Eskifjördur Skateboarder, die sich von ihren Hunden ziehen lassen und durch die Hauptstraße des Dorfes flitzen. Ich nehme zudem an einer Halloweenparty teil, bei der ich mich als Zombievampir verkleide. Im Fjord versuche ich in regelmäßigen Abständen, von einem kleinen Boot aus einen Fisch zu angeln, den man sich im Restaurant braten lassen kann. Meine Angel bleibt leer, ich bestelle Suppe und vermisse Salat.

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EINIGES ÜBER ISLAND | TEIL 4: SKAFTAFELLSJÖKULL & JÖKULSARLON

genau wie die qualität der straßen ändert sich die landschaft sekündlich; praktisch unmöglich, das überhaupt zu fotografieren. die gespräche mit isländern drehen sich oft darum, dass sie sich eigentlich gar nicht so sehr für die natur per se interessieren – zum beispiel auch der hunter, der mir sagt, ich soll die zigarette einfach auf den boden werfen. denselben boden, den milliarden von volunteers (die hier an jeder ecke stehen und irgendwas aufräumen) praktisch sekündlich säubern, von unkraut befreien und darauf irgendwelche wege für die touristen bauen. was eine afrikanerin zu mir auf einer holzbank gesagt hat: island ist wie eine alte frau, bei der du dich gar nicht traust, sie zu ruinieren und der du deswegen ständig alles gibst, um irgendwie ihre schönheit aufrecht zu erhalten; aber du kannst auch beobachten, dass es ihr persönlich eigentlich egal ist.

auf dem ersten bild siehst du SKAFTAFELLSJÖKULL; erst musst du ungefähr 20 minuten lang einen von volunteers gebauten weg entlanglaufen, um überhaupt erst zu der glescherzunge mit den gigantischen eisblöcken im see und dem riesigen schwarzen strand zu gelangen. die einzigen farbflecken sind da nur die zahlreichen touristen-jacken. gestern munkelte man mir, eine erdplatte sei so komisch verschoben und ins wasser gefallen, dass man eventuell vulkanische aktivität darunter vermuten könne. vorerst aber abwarten. auf dem zweiten bild siehst du mich vor dem JÖKULSARLON, wo ich vier robben gezählt habe. es ist ungefähr so warm, dass man 1 – 2 richtig dicke pullis anziehen kann und immer eine regenjacke dabei haben sollte. im etwa zwei stunden entfernten jökulsarlon siehst du auch touristen und eisblöcke, dazu robben und vögel! mehr kann ich an dieser stelle leider nicht beschreiben, denn das kann keine person dieser welt stemmen.

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viele grüße aus einem pfadfinder-haus & bis zum nächsten mal!

EINIGES ÜBER ISLAND | TEIL 3: VIK

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gudmundur kristjan ist housekeeper und jäger. am liebsten, sagt er, bricht er den puffins das genick und isst sie. er schießt sie nicht, sondern hat eine art netz, das er von seinem versteck ausbreitet, um sie zu fangen. was er außerdem hat: einen golden retriever, eine frau (lola), fünf kinder, eins davon gerade drei monate alt. väter in island können bis zu drei monate nach der geburt eines kindes zuhause bleiben, um sich ums frischgeborene zu kümmern – mütter ein halbes jahr. gudmundur kristjan vermisst es schon, ein paar rentiere in der nähe von eskifjördur zu schießen und möchte gerne lieber wieder auf die jagd gehen, anstatt hier neben dem gym zu leben und ständig den reisenden die tür aufzusperren. aber immerhin hat er damit früh angefangen, mit 19 ist er vater geworden, er liebt kinder und auch familien, sagt er.

in vik wohnen ungefähr 300 menschen; lola ist hier aufgewachsen und will hier auch bleiben, vielleicht aber mal nach österreich ziehen, wenn sie muss, sie liebt jedenfalls wien. die kleine familie samt baby führt beim abendspaziergang zum puffin-hotspot und zieht uns quasi die außerordentlich gefährlichen klippen hoch, leider umsonst, keine puffins hier. die einzigen puffins, die ich in vik zu gesicht bekomme, sind zwei ausgestopfte im woolshop, der mittlerweile 24 stunden geöffnet ist. dass das vor fünf jahren nicht möglich gewesen wäre, sagt lola. und dass mit so einer menge an touristen sowieso niemand gerechnet hätte. problem: island erwartet 2015 mehr als eine million touristen, die einwohnerzahl der gesamten insel crasht gerade mal 300.000.

auf den folgenden bildern siehst du mein kleines daily workout im gym, mein kleines wohnmobil unter einem regenbogen, ein kleines islandpony, was ich gestreichelt und ein kleines ding, was ich am strand gefunden habe.

 

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EINIGES ÜBER ISLAND | TEIL 2: SELJALANDSFOSS & SKOGAFOSS & BLACK BEACH

auf island gibt es eine art ringstraße, die einmal um die insel führt, sich „hringvegur“ nennt und über 1330 kilometer lang ist. unsere reise beginnt in reykjavik, 50 jahre nachdem der linksverkehr auf der insel abgeschafft wurde, führt in den süden, in das 300-seelendorf vik, nach eskifjördur im nordosten, dann in den norden und zurück nach reykjavik. zur einstimmung ein paar fotos vom letzten tag in reykjavik. da meine fotografischen talente leider mit kumpelfotografie enden, können in diesem beitrag leider nur die specials stattfinden:

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die meisten straßen bestehen aus schotter, du fährst ungefähr 90 km/h. auf deinem reiseweg befinden sich golden retriever, puffins, delfine und rentiere. ebenfalls: ein isländischer jäger, der dir erzählt, wie er ebendiese puffins und ebendiese rentiere schießt und ihnen das genick bricht, eine übernachtung in einer sporthalle und ein besuch im öffentlichen schwimmbad in vik. wenn du in den süden fährst, kannst du ein paar überfüllte touristenplätze mitnehmen. zum beispiel zwei wasserfälle, SELJALANDSFOSS & SKOGAFOSS. in SELJALANDSFOSS kannst du einmal um den wasserfall herumwandern und von wütenden frauen vom foto-spot verscheucht werden. nahezu jeder tourist bleibt an genau derselben stelle stehen und macht dasselbe foto. mach auch einmal stop beim black beach, iss einen überdimensionalen apfel und schau in die berge, während du auf schwarzem sand liegst und dich das meer mit gigantischen wellen wegspült. in SKOGAFOSS hast du die wahl: entweder du wanderst 432 stufen und erfährst, wie ein wasserfall von oben aussieht; oder du bleibst einfach unten sitzen. da lernst du vielleicht eine isländerin kennen, die aus vik kommt und ihre enkelin jedes jahr an diesen ort bringt. oder eine journalistin aus holland, die seit zwei wochen mit ein paar freunden unterwegs ist und viel über die preise hier nachdenkt.

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mehr über genickbrechende isländer, touristenspots und die kleine reise nach vik erfährst du im nächsten DERM! wir nehmen ebenfalls gerne deine urlaubsstory entgegen. melde dich bei uns!

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