EINIGES ÜBER ISLAND | TEIL 5: ESKIFJÖRDUR

Eskifjördur ist eine Fischerstadt im Nordosten Islands – mit ungefähr 300 Einwohnern, einem gigantischen Fjord und Gabriel, der in diesem DERM auch stellvertretend für das Alkoholverhalten aller Isländer stehen wird. Gabriel, 20, in Eskifjördur aufgewachsen und jetzt auch in der ortsansässigen Aluminium-Fabrik arbeitend, liebt den Sommer hier vor allem wegen der zahlreichen Festivals und hat in der letzten Woche etwa 200 Euro ausgegeben, um sich für ein Wochenende mit Alkohol zu versorgen. Was er auch gerne trinkt: Den isländischen Todesschnaps, der dich blind machen kann, weil er praktisch purer Spiritus ist und deswegen gut mit Cola oder ähnlichem gemischt werden muss.

Die eskifjördsche Höchsttemperatur in diesen Tagen beträgt 14 Grad. Besonders empfehlenswert ist der Hotdog (!) und das Eis (!) in der Tankstelle (das einzige Geschäft, das zu bestimmten Zeiten zumindest jeden Tag der Woche geöffnet ist). Zur alten Schule, meiner Unterunft in Eskifjördur, gibt es eine Sage: Als sie geschlossen wurde, hat sich die cleaning lady aus Frust wegen Jobverlust im Keller aufgehängt und spukt nun als Geist durch die Räume. Neuer Geist: Dalton, 12, kommt eigentlich aus Amerika, wohnt aber seit ein paar Jahren in Eskifjördur und hat in acht Monaten Isländisch gelernt. Er liebt „food, swimming, dogs and people“, kann ausgezeichnet zu Dubstep tanzen, mag kein Sushi, keine construction und sagt am liebsten „I’m watching you.“ Dalton möchte oft zu Ausflügen mtikommen, aber ist ja erst 12 und es ist schwierig, mit einem Kind in einer Bar zu sein; auch wenn Dalton anbietet, vor der Bar zu warten und inzwischen Handygames zu spielen.

Seit ich in der einzigen Bar des kleines Dorfs (Gabriel hat versprochen, dort findet jeden Samstag die Karaoke-Night statt, nur leider fehlen die Teilnehmer und die Hotels sind ausgebucht, sodass die Veranstalter Rücksicht auf die Reisenden nehmen und die Karaoke-Night erst wieder im September startet) eine etwa 50-jährige Grönländerin kennengelernt habe, nähere ich mich einem Klische, das ich bisher noch nicht persönlich erkunden konnte: Vor ein paar Jahren habe ich irgendwo gelesen, dass es wegen der finsteren Lichtverhältnisse in Grönland eine gesteigerte Selbstmord- und auch Alkoholikerrate gebe; woran ich mich erinnere, als mir die Grönländerin etwas auf Grönländisch sagt und mir dabei ihre letzten 50 Weinschorlen ins Gesicht pfeift.

Nicht selten sieht man in Eskifjördur Skateboarder, die sich von ihren Hunden ziehen lassen und durch die Hauptstraße des Dorfes flitzen. Ich nehme zudem an einer Halloweenparty teil, bei der ich mich als Zombievampir verkleide. Im Fjord versuche ich in regelmäßigen Abständen, von einem kleinen Boot aus einen Fisch zu angeln, den man sich im Restaurant braten lassen kann. Meine Angel bleibt leer, ich bestelle Suppe und vermisse Salat.

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