Archiv des Autors: Juli Zucker

50 GRÜNDE, WIESO DU DICH BESSER VON DER SURFnFUN-FLATRATE VON 1&1 FERNHALTEN SOLLTEST

Mit dem letzten Datenvolumen meines Handys veröffentliche ich diesen DERM. Er soll der Menschheit die Entscheidung abnehmen, ob sie Kunden bei 1&1 werden wollen. Wer die Geschichte der Misere nicht ganz lesen will: PRO Die Mitarbeiter am Telefon sind meist freundlich, CONTRA Du bekommst von deiner Internet- und Telefonflatrate nicht viel mehr mit als die Abbuchungen von deinem Konto am Ende des Monats. Entscheide selbst.

 1&1, ein tolles Unternehmen – und bisher hat auch alles gut geklappt, bis auf die Tatsache, dass sich mein monatlicher 19,90 Internet und Telefonflatrate-Vertrag plötzlich in einen 29,90 Internet und Telefonflatrate-Vertrag veränderte, ohne, dass jemals jemand mit mir darüber gesprochen hätte. Aber ok. Ich wusste ja, dass ich in absehbarer Zeit, vier Monaten um genau zu sein, aus meiner Wohnung ausziehe und es jetzt nicht besonders viel bringt, Stunk zu machen. Was ich nicht wusste: Dass mit meinem neuen 29,90 Internet und Telefonflatrate-Vertrag auch die einjährige Kündigungsfrist ins Haus geht. Die Dame, mit der ich im August telefonierte, wusste das scheinbar auch nicht, weil sie, als ich sie fragte, ob noch irgendwelche Kosten oder Ähnliches nach Beendigung des Vertrages, also dem 25. Oktober 2014, auf mich zukommen, klar verneint hat. Klasse, dachte ich. Klasse, dachte sie. Ob ich nicht lieber den Umzugsservice in Anspruch nehmen wolle? Nein, nein, sagte ich, ich ziehe ja komplett aus der Wohnung aus und in eine WG und da sei ja Internet schon vorhanden, also für mich persönlich lohne sich das gar nicht. Achso, alles klar, sagte die nette Frau. Und tschüß.

 Aber tschüß war noch lange nicht! Denn auch im November wurden mir weiterhin – obwohl ich der Frau sagte, ich ziehe Ende September aus und sie solle bitte das Internet in meiner Wohnung deaktivieren oder was man eben so macht, wenn man das gar nicht mehr nutzt, wurde mir ordentlich Kohle von meinem Konto eingezogen – selbst als ich schriftlich widersprach und mein Widersprechen mit juristischen Klauseln eines juristischen Freundes meinerseits schmückte. Dann passierte erstmal zehn Jahre lang gar nichts. Und ich wurde natürlich sauwütend, weil immer noch mehr Monate ins Land zogen und noch mehr Kohle von meinem Konto abgebucht wurde, was ich persönlich nicht verstehen konnte und nicht akzeptieren wollte, da ich ja, meiner Meinung nach, schon alles gemacht hätte, was in meiner Macht stand. Ich entwickelte das Ritual, jedes Mal, wenn ich nach dem Duschen einen Turban auf dem Kopf hatte, eine wütende Mail an 1&1 zu verschicken.

 1&1 schickte mir daraufhin eine Umfrage, speziell auf mich zugeschnitten, in der ich bewerten sollte, wie hilfreich/charmant/cool das Telefongespräch mit der Frau gewesen sei. In der Umfrage gab es kein Kästchen, in das ich irgendwas eintippen konnte, sondern nur ein Fünf-Sterne-Bewertungssystem, anhand dessen ich selber entscheiden sollte, wie freundlich die Frau am Telefon zu mir war, aber auch, ob mein Problem gelöst werden konnte. Konnte es nicht. Scheinbar gab es keine Möglichkeit, meinem Schicksal zu entrinnen und da 1&1 sowieso ignorierte, dass ich dem Unternehmen schriftlich untersagte, Geld von meinem Konto per Lastschrifteneinzug abzubuchen, hatte ich fast keine Wahl und befand mich nun also in einer Ein-Jahres-Kündigungsfrist, die zum 25. Oktober 2015 enden sollte. Natürlich hasste ich nicht nur mich, sondern auch Frau mit jeder Pore meines Körpers, da sie mich angelogen hatte, wissentlich oder nicht. Und da ich früher hätte widersprechen können, wenn die Frau mich am Telefon über alles aufgeklärt hätte. Ich verheimlichte alles vor meinen Freunden (außer Laura und Juan), weil es mir peinlich war und zog ab diesem Zeitpunkt immer Mützen an.

 Jedenfalls konnte man an meinem Fall nichts ändern, weswegen der Vertrag mit 1&1 noch läuft und zwar bis zum 25. Oktober 2015. Die einzige Möglichkeit: Ihn bei meinem nächsten, neuen Umzug wieder in die neue Wohnung mitnehmen (Inzwischen hatte ich vier Monate lang 29,90 Euro bezahlt). Wieso auch nicht nutzen, wenn ich dafür bleche und mein neues Haus noch kein Internet habe? Aber das habe ich mir schöner vorgestellt, als es war; die 60 Euro Umzugsgebühr würden mir, klärte mich eine weitere freundliche Dame am Telefon auf, direkt mit meiner Rechnung am Monatsende berechnet und von meinem Konto abgezogen werden.

 Den ersten Technikertermin bekamen wir am 06. März, ein Typ von der Telecom kam rein und es stand ziemlich schnell fest, dass er uns nicht weiterhelfen kann, weil er keinen Zugang hatte zu einem Kasten in unserem Keller, zu dem nur der neue Hausmeister den Schlüssel habe. Und dass sowieso kein Signal von der Straße komme, wo auch irgendein Kasten stand, mit dem er irgendwas machen musste, was er mir aber nicht erklärte, weil er meinte, es sei eher sein Metier als meines. Wir brauchten also einen weiteren Termin. Der war am 16. März, wie ich mit einer weiteren freundlichen Frau am Telefon aushandelte. Stimmte aber gar nicht. Ein paar Tage später bekam ich eine BestätigungsSMS, in der stand, dass der vereinbarte Termin am 17. März sei, was ja schon asozial genug ist. Ich war nicht zugegen, aber scheinbar hatte unser neuer Hausmeister den falschen Keller aufgesperrt und alles ging schief. Den dritten Techniker habe ich am 23. März an der Haustür gefragt, ob er uns heute das Internet bringe. Er hat geantwortet, ja, vielleicht. Ziemlich schnell stand fest, dass unser neuer Hausmeister wieder den falschen Kellerraum aufgesperrt hatte, aber der dritte Techniker fand auf der Straße einen Mann, der wohl auch ein neuer Hausmeister unseres Hauses war und der deswegen den richtigen Raum finden konnte. Was dem Techniker allerdings nichts half, weil er mit einem kleinen Piepdings am Kabel in unserer Wohnung entlang leider feststellen musste, dass man ab einem bestimmten Punkt kein Signal mehr habe. Und ich hasse diesen Blick, wenn dich einer anschaut und dir was sagst, wovon du keine Ahnung hast, aber dann fühlst du dich so, als ob du Ahnung haben müsstest. „Ich verstehe nicht, was Sie sagen“, sagte ich, und er antwortete: „Tja Mädels, jetzt haben wir ein Problem.“ Seine Diagnose lautete, das Telefonkabel sei kaputt. Weil er eh schon sauwütend war, dass er sich länger als seine zehn Minuten in unserem Haus aufhalten musste, ließen wir ihn ziehen.

 Und kontaktierten wie immer 1&1. Um einen neuen Termin zu vereinbaren. Was natürlich ein Witz ist, weil du den Termin nicht vereinbarst, sondern einfach zugeteilt bekommst und dann zuhause sein musst und zwar von 8 Uhr bis 13 Uhr. Wir telefonierten viermal mit unserer Hausverwaltung, die der Meinung war, es sei Aufgabe von 1&1, das Kabel zu wechseln, und wir telefonierten viermal mit 1&1, die der Meinung waren, es sei die Aufgabe der Hausverwaltung, das Kabel zu wechseln. Ab und zu legten wir einen Stepptanz zur 1&1-Wartemusik hin. Bis wir eine junge 1&1-Kollegin am Telefon hatten, die davon überzeugt war, dass sie einen Elektriker (nicht von der Telekom) vorbeischicken könnte, der das Kabel erneuert, wir müssten dafür nur einen Schrieb unserer Hausverwaltung bereit halten, der uns versicherte, dass der Elektriker Löcher und was weiß ich in unsere Wohnung bohren könne.

 Der Elektriker kam eine Woche später, wusste aber nichts von seiner Aufgabe, was das grundsätzliche Problem von 1&1 zu sein scheint: Jeder Techniker, der jemals unser Haus betrat, war in keinem Fall aufgeklärt über die Vorarbeit, die andere Techniker bereits geleistet hatten und fing also jedes Mal wieder bei null an. Ich telefonierte mit meiner Freundin Alina und berichtete ihr von meinem Leid und sie berichtete mir von dem Leid ihres Opas, der ähnliche Sorgen mit 1&1 hatte. Der Elektriker wechselte die TAE-Dose und fragte mich, ob meine FritzBox intakt sei. Ich sagte, meine FritzBox sei immer intakt gewesen. Er fragte mich, wie ich das wissen könne. Ich sagte, das Licht blinke, technisch müsste sie also funktionieren, aber ich könnte es nicht zu 100% überprüfen, da ja keiner in der Lage sei, das Internet in mein Haus zu bringen. Der Elektriker glaubte mir nicht, schloss seine persönliche FritzBox an und stellte danach fest, dass ich Recht hatte. Mein Mitbewohner fragte ihn, ob er heute gekommen sei, um das Kabel zu wechseln. Der Elektriker sagte, das dürfe er nicht. Wir fragten, wieso. Er erklärte uns irgendwas anderes. Ich sagte, dass ich sehr wütend und verzweifelt bin und dass ich mir jetzt einen Kräutertee SPRITZIGE STUNDE zubereite.

 Mein Mitbewohner verlor die Geduld und floh aus der Wohnung, so schnell ihn seine Beine trugen. Der Elektriker und ich allerdings hingen noch eine halbe Stunde in meiner Wohnung ab. Ich fragte ihn, wie ich mit 1&1 kommunizieren sollte, er sagte, sie als Kundin kommunizieren am besten gar nicht mit denen, er rufe jetzt eine andere Nummer an, bei der man schneller durchkomme, und dann finden wir etwas heraus. Auch der Elektriker und ich wippten mit den Köpfen im Takt zur Warteschleifenmusik, aber wir konnten niemand erreichen. Ich bring mich um, sagte ich dem Elektriker und er sagte: Sie machen jetzt erstmal gar nichts, ich nehme Kontakt zu denen auf, dann rufe ich Sie nochmal an. Aber ich bin so verzweifelt, sagte ich und was er dann sagte, weiß ich nicht, ich glaube aber, er meinte damit sinngemäß, dass ich einfach cool bleiben sollte, was ich auch tat. Am Abend, beim Telefongespräch, sagte mir der Elektriker: Rufen Sie bei 1&1 an und vereinbaren Sie einen neuen Termin. In diesem Moment fing ich an, mir die Haare büschelweise auszureißen.

 Als ehemalige Telefonistin weiß ich natürlich, wie hart es ist, mit Arschlöchern zu telefonieren. Und dass sich hinter jeder Telefonnummer, sollte sie noch so unscheinbar wirken, ein penetrantes Arschloch befinden könnte. Und dass man ja für eine höhere Macht arbeitet, die ziemlich scheiße ist, aber die einem grad Geld gibt, was man natürlich braucht, um sich Essen zu kaufen und eine Miete leisten zu können. Weswegen ich natürlich auch bei jeglichen Telefonaten, und wenn ich noch so fuchsteufelswild bin, versuche, freundlich zu bleiben. Aber irgendwann reißt auch mein Geduldsfaden und zwar beim Telefonat mit einem 1&1 Mitarbeiter, der mir wieder nicht helfen konnte. Das Gespräch verlief ungefähr so:

„Guten Tag, ich bin die und die, das ist meine Kundennummer, und ich bin wütend und verzweifelt. (Kurzer Bericht, was bisher alles passiert ist.) Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich bin so sauer, dass ich meine Wut und meinen Frust jetzt bei Ihnen ablade.“

Er: „Ja, das ist echt eine verzwickte Lage bei Ihnen.“

Ich: „Wieso?“

Er: „Wir könnten natürlich einen neuen Techniker-Termin vereinbaren.“

Ich: „Aber das bringt nichts, weil ja alle Techniker hier ständig irgendwelche Termine vereinbaren, keiner über das aufgeklärt ist, was bisher geschah und alle mich ständig anschauen, als müsste ich über irgendwas Bescheid wissen. Haben Sie keine Kommunikation in Ihrem Unternehmen?“

Er: „Wir könnten natürlich jemanden damit beauftragen, Ihr Kabel zu erneuern?“

Ich: „Aber wir wissen ja nicht mal, ob es kaputt ist.“

Er: „Aber wenn wir es erneuern, dürfte es ja nicht mehr kaputt sein.“

Ich: „Aber der erste Techniker sagte ja, es käme kein Signal von der Straße, und der vierte Techniker, dessen Aufgabe das ja eigentlich gewesen sein müsste, sagte, der sei nicht befugt, das Kabel zu erneuern.“

Er: „Hmm ja, lassen Sie uns das Kabel erneuern.“

Ich: „Ich will jetzt einfach, dass jemand in mein Haus kommt und mir hilft.“

Er: „Sie müssen jetzt eine Schätzung abgeben, wie lang das Kabel ist und wie viele Bohrungen man durchführen muss.“

Ich: „Hm. 10 Meter und 4 Bohrungen.“

Er: „Sind Sie sich sicher?“

Ich: „Nein, ich habe noch nie über die Länge dieses Kabels nachgedacht.“

Er:„Haben Sie noch weitere Fragen?“

Ich: „Ja, definitiv. Ich bin nicht bereit, 1&1 mein Geld in den Arsch zu schieben, weil ich für eine Leistung bezahle, die ich gar nicht bekomme. Also will ich die Kohle zurück. Ich bin Studentin.“

Er: „Ja, nachdem Ihr Anschluss steht, wird unsere Rechnungsstelle das überprüfen und Sie können natürlich Ihr Geld zurückfordern.“

Ich überlegte während dem Telefongespräch, ob ich ein paar Jokes machen sollte, ließ es dann aber, um meine Wut besser zeigen zu können. Am folgenden Abend fing ich eine neue Serie bei Twitter an, die sich „herzlichen dank, #1und1“ nennt und die von meiner Misere berichtet. Irgendwann in nächster Zeit kommt wieder ein Elektriker in unser Haus, der unser Telefonkabel erneuern soll, falls er diesmal befugt ist. Ob ich dann endlich wieder surfen könne, fragte ich am Telefon. Der Mitarbeiter sagte, nein, dann müsse zuerst wieder jemand von der Telekom kommen.

 In der Umfrage bezüglich der netten Frau gab es übrigens auch die Frage danach, ob ich 1&1 meinen Freunden weiterempfehlen würde. Ich habe diese Frage mit einem Stern bewertet, was das Schlechteste ist. Ein Telefongespräch mit der Frau würde ich jedem meiner Freunde weiterempfehlen. Hätte es ein Kommentarfeld gegeben, hätte ich eingetippt: „Liebe Freunde und Bekannte, am besten ist, wenn ihr euch von diesem blöden Verein fernhaltet. Ich hasse ihn und euch würde ich ans Herz legen, mir es gleichzutun. Wir müssen wieder damit anfangen, uns gegenseitig ein Fax zu senden.“

Getaggt mit , , , , , , , , ,

Das Unbedingte

VOM DERM-STARGAST-AUTOR MORITZ GROTE

Ob es ihm etwas ausmachen würde, die gesprungene Kette dem Gaul um den Hals zu legen, damit er zusammenhält.

Er antwortete: Ich will den Namen von Bethlen wissen, ich will den Namen von Bladenmarkt wissen, ich will den Namen von Eisdorf wissen, damit ich mir selbst den Anschein erwecken kann, nicht grundsätzlich zu verschwinden. Er sagte: Diese Orte hatten nie Namen. Diese Orte waren lose Kreise, deren Radien senkrecht in den Himmel stachen und, weil sie stumpf waren, während sie sich mit den spitzen Enden an den Cortex heranschoben, wieder zurückgedrückt wurden und ausharren mussten. Er antwortete: Ich will den Namen von Frauenkirch wissen, ich will den Namen von Gladen wissen, ich will den Namen von Kaltbrunnen wissen, damit ich mich aushalten kann. Er sagte: Die freien Flächen zwischen den spitzen Enden und dem Cortex waren die losen Kreise, die, trotzdem sie im Mittelpunkt lagen, der äußerste Rand waren. Er antwortete: Ich will die Namen von Reschinar wissen. Er sagte: Die äußersten Ränder um die Augen des Gauls sind schon aussterbend geboren.

Über Kronstadt auf dem Tâmpa steht Braşov, darüber ist der Tâmpa zu Ende, in Reschinar steht das Haus, das es nicht geben dürfte, Das Seiende verursacht mir Asthma, DeWall Ledoux steht in Reschinar neben dem Haus, das es nicht geben dürfte, während dem Gaul eine Flüssigkeit aus der Rinne des Hauses auf seine Augen quillt, Ruth Cohle steht in Reschinar neben dem Haus, das es nicht geben dürfte, Alle Gewässer haben die Farbe des Ertrinkens, nichtsdestotrotz ist Klausenburg, oberhalb des Michelsbergs wartet der eigentliche Gott, der eigentliche Gott fragt: Was tun Sie vom Morgen bis zum Abend? Der eigentliche Gott antwortet: Ich erleide mich, Ruth Cohle spiegelt sich in der Flüssigkeit auf den Augen des Gauls, die eine Membran auf die Iris stülpt, wobei der Sehnerv sich vom Cortex löst und den Gaul umschlingt, sodass er sich letztendlich aus sich herauswürgen kann, die Schwarze Kirche flieht aus Kronstadt neben das Haus, das es nicht geben dürfte, Sein? Ein Mangel an Scham, die Flüssigkeit ist der eigentliche Gott, der aus den Löchern der losen Kreise auf die Rinnen des Hauses tropft, das es nicht geben dürfte.

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kursiv: Emil Cioran: Syllogismen der Bitterkeit; Vom Nachteil geboren zu sein

ALLES ÜBER DIE REISE NACH ISTANBUL

 MICKRIGER VERSUCH EINER DOKUMENTATION

16. August

9:10

Alle entpacken Überraschungen: 1 Regenschirm, 1 Fisch, 1 Rätselheft, 1 Vokuhila; Abfahrt Haßfurt.

KM: 412 Österreich

16:06

Diskussion: DER oder DIE Inn (Anmerk. d. Redaktion: Geht’s noch?)

18:47

Erste Beschwerden über den Fisch treffen ein.

19:14

Exkurs: Es gibt ein berühmtes Foto aus den 70ern. ????, das einen Punk zeigt, auf dessen Rücken mit Malerklebeband steht: WIEN DU TOTE STADT

19:36

B: Betrachte mein Knie im Seitenspiegel. Schaut schön aus.

19:57

Ungarn, KM 756, Probleme mit Vignettenkauf

20:32

Juli singt ein kubanisches Revolutionslied.

20:39

Ankunft Campingplatz, KM 774,5, Mosonmaeyaróvar

17. August

11:11

Abfahrt vom Campingplatz nach Rührei und Kaffee. Im Auto befindet sich eine Fliege.

11:22

Achtung, Blitzer in 400 Metern. Wir sind in einem Testbereich. Mitteleuropäische Zeit +1h

11:49

Panjabi hat mich mit einer Apfelsine vergiftet.

12:36

KM934: Wir durchqueren Budapest.

13:10

Gustav hat sich seit gestern nicht mehr bewegt. Alle haben T-Shirts und weniger Kleidung als gestern an. 

14:56

Heiße Braut auf Roller gesichtet

15:15

Grenzübertritt im Niemandsland (km 1154). Jules: Was für eine behinderte Grenze.

15:26

Passkontrolle. Rumänische Grenzbeamte misstrauen Liechtensteiner. Erfolgreicher Grenzübertritt, erfolgreicher Kauf der Vignette.

18:39

Abfahrt Pause. Habe Waldbewohner Brot und eine Zigarette geschenkt. Nähe Lipova

18:52

Uns ist der Tod begegnet (Sense)

21:07

Es ist fast zu dunkel um besondere Vorkommen festzuhalten. Laut Navigationssystem fahren wir durch ein gemähtes Feld.

21:15

Die A1 Rumäniens ist die modernste Autobahn Europas. Wie eine Flughafenlandebahn.

22:09

Die Mitarbeiter des OMV können uns bei der Suche nach einem Campingplatz nur bedingt weiterhelfen.

22:55

Ankunft Camping.

  • RUMÄNIEN | SIBIU, BUKAREST, CONSTANCA, COSTINESTI

Nach kurzem Aufenthalt in Haßfurt, wo wir zum letzten Mal unsere Kräfte stärken und das Proviant in alle möglichen Fugen des VW-Busses verräumen, durchqueren wir den österreichischen Monsun, nächtigen in Ungarn, wo wir uns den Körper aus medizinischer Sicht erklären lassen, und gelangen nach Sibiu, Hermannstadt. Seitenstrangangina, eitrige Mandel und Flüssigkeit vor dem Ohr belasten mich zunehmend; einer von uns wird von einer Salamisucht umher getrieben. Der rumänische Taxifahrer Justin, der uns in die Stadt und wieder zu Camping Ananas in Cisnadionara bringt, erklärt uns, dass man am besten immer mit Taxameter fährt und dass alle Bären, die es im Wald nahe unseres Campingplatzes gibt, im Zoo gefangen sind. Er mietet das Auto tageweise, hat dann den Preis dafür, prozentual für beförderte Gäste und Sprit selbst zu tragen. Den Großteil davon – er fährt ungefähr zehn Stunden am Tag – steckt er in die Miete, die in Sibiu ungefähr 200 Euro pro Monat beträgt. Camping Ananas befindet sich inmitten von ungefähr 10.000 Beherbergungen von Hunden, die uns in der Nacht die Ohren vollheulen (COOL). Spitznamen etablieren sich; Urlaubsoutfits werden zu diesem Zeitpunkt noch sorgfältig ausgewählt. Wir besuchen ein Dorf, ergötzen uns an Altbauten in der Hermannstädter Innenstadt und einer von uns legt heftige Radstrecken (57 Kilometer) zurück. Tagsüber sind die meisten von uns so wehrlos wie Tomaten, die man tagelang in der Mikrowelle Runden kreisen lässt. Bei einer Wanderung treffen wir verschiedene Leute: 1P1090586 Mann, der dadurch auffällt, dass er im Nirgendwo spazieren geht und eine besonders hervorstehende Brust mit sich herum trägt; 100 Kinder, die uns umkreisen; 2 Rumänen mit Fahrradausrüstung; ca. 10 ältere Damen und Herren, die im Wald grillen und laut Autokennzeichen aus Augsburg kommen; zwei etwa 15-jährige Girls, die als „die Gothic-Girls“ in die Geschichte der Reise eingehen werden; 100 Hunde, wovon einer mich angreift, als ich ihn fotografiere. 

20. August

11:31

Abfahrt Cisnadionara

12:14

Schimmernder Dunst über den Karpaten

15:16

Verkehr ist ??? aufgrund von 1000 ??? (Anmerk. d. Redaktion: Verkehr ist behindert aufgrund von 1000 Schafen)

16:00

Abfahrt Stausee

Bukarest KM Stand 1885

In Bukarest ist die Stimmung gut, der Campingplatz wie ein Ausschnitt aus dem Europa-Park, gemischt mit Slenderman-Ästhetik und die Rückspiegel eines weiteren Taxifahrers überdimensional. DCIM107GOPRONach kurzer Ohnmachtsattacke meinerseits besichtigen wir im Handumdrehen die Stadt, einige vertilgen Hotdogs, andere sind genervt, wieder andere vertrauen auf Tipps von unserem Freund Passi, der Bukarest zuvor bereist hat und uns in coole Bars der Stadt lockt. Im Club Control scheiden sich die Geister: Die einen finden es ätzend, die anderen finden die Jungs attraktiv. Nach kurzer Überlegungsphase fahren wir mit Alanis Morissette im Taxi zurück zum Camping, um am nächsten Morgen fröhlich durch das anliegende Waldstück zu joggen und danach das Weite zu suchen.

22. August

14:38 Abfahrt Bukarest, Camping Kraus
Costinesti KM 2233

In Rumänien gibt es einen Küstenort, den DCIM107GOPROjeder im Gedächtnis behält, der schon mal da gewesen ist, und noch mehr diejenigen, die bei Camping Kraus eingecheckt haben: Costinesti. Anstatt Privatsphäre gibt es hier durchsichtige Vorhänge, auf denen Ahornblätter und deren Schattierungen abgebildet sind. Wir lernen Anton kennen. Anton ist ungefähr 15 – 17, ist mit seiner Mutter und Oma (oder wahlweise auch einer Freundin seiner Mutter, aber eher seiner Oma) unterwegs und hat ein Zelt, das keinen einzigen Regenschauer überstehen wird. Nach unserem Ankommen beschließen wir, sofort einige Bier am Meer zu schlürfen. Nach ein paar Minuten wird klar: Anton verfolgt uns. Die Verfolgung dauert mindestens zwei Stunden: Beharrlich wartet Anton hinter den Plastikstühlen am Strand, bis wir weiterziehen und schließlich eine Art Jahrmarkt in Costinesti finden. Die Mutigsten von uns fahren Dinge, die Loopings können, bis wir beschließen, Anton eine Falle zu stellen. Bei DREI laufen alle in verschiedene Richtungen, nur einer nicht, der, wie soll es anders sein, weiterhin von Anton verfolgt wird, bis sich alle sich wiedertreffen und alles genauso ist wie am Anfang. Sogar zum Urinieren verfolgt Anton einige Betroffenen (3 von 4). Als ich am nächsten Tag fröhlich erwache und aus dem Zelt springe, um meine Joggingmanier wenigstens einmal in der Woche aufrecht zu erhalten, erleide ich einen Herzinfarkt, als Anton an unserem DCIM107GOPROCampingtisch sitzt und nur auf mich gewartet zu haben scheint. Vor Schock renne ich kommentarlos vom Campingplatz und doppelt so schnell wie sonst. Als ich heimkomme, ist Anton nicht mehr da. Zwei von uns entscheiden sich für einen Tagesausflug nach Constanca, wo wir den Tag damit verbringen, einen alten und auch alternden Chinesen zu beobachten, der sich immer wieder (mit Stativ und erstaunlich langsamen Bewegungen sowie einer Mimik, die sich nie zu ändern scheint) selbst fotografieren möchte. Das Shooting dauert umgerechnet etwa eine Stunde, während wir Pflaumen essen und es bereuen, die Sonnencreme vergessen zu haben. Was wir auch vergessen haben: Dass Costinesti Costinesti heißt, weswegen sich die Rückfahrt schwieriger gestaltet. Andere verbringen den Tag am Strand. Wir reisen ab. Auf der Durchfahrt nach Bulgarien zähle ich sieben tote Hunde am Straßenrand.

24. August 12:22 Abfahrt Costinesti, Weiterfahrt nach Vama Veche
12:25 Einer bekreuzigt sich vor Friedhöfen und sagt: „Quod erat demonstrantum“
15:45 Grenzübergang Bulgarien
  • BULGARIEN | CAMPING KITEN

Zweitägiges Schlafkoma. Von den anderen bekomme ich mit, dass sie Bekanntschaft mit einem bulgarischen Nationalisten machen, der ihnen zum Abschied ein Stück Holz zur Aufbewahrung von Teelichtern schenkt. Ich verbringe zwei Tage ununterbrochen im Auto, schlafe etwa 40 Stunden. Ab und zu kommt jemand vorbei und bietet mir eine Orange, Tee oder Fisch an.

27. August

10:54

Abfahrt nach Istanbul 

10:56

Ankunft Tankstelle „perfekt“

11:03

Abfahrt nach Istanbul (viele Säfte)

13:27

2540km: Einreise nach einigen Strapazen (Panjabi, Löcher in der Straße, grandiose Hitze) in die Türkei

13:34

Vereinzelt kreisen Vögel über uns

13:37

Eine Windel liegt auf der Straße

13:38

Straße ist verlassen. Allen gefällt die Türkei. Truckerkolonne. Gustavs Rückenflosse glitzert in der prallen Sonne.

  • TÜRKEI | ISTANBUL: JOHANNA REIST ALS ÜBERRASCHUNG EIN. ALLE BETEILIGTEN VERBRINGEN TAGE MIT ESSEN UND HITZE.

IMG_0931Johanna reist ein und schenkt uns norwegischen Thunfisch. Die Überraschung ist groß, auch darüber, dass sie innerhalb eines Tages einen Sonnenbrand bekommen hat. Überall Postkartenmotive. Wir erkunden die Stadt, essen alles Essbare, trennen uns am Grand Bazar. Kurzerhand: Zum ersten Mal alleine unterwegs reise ich wieder ganz anders durch den Gewürzbasar, bekomme Handynummern, Rosen und gute Aufenthalte gewünscht. Nach Besichtigungen der Hagia Sophia und verschiedenen Vierteln der Stadt, essen wir Crêpes (oh Crêpes!), Döner, Hähnchen, Baglava, ungefähr alles, was die Stadt zu bieten hat. Unser Körpergewicht erhöht sich um drei Kilo. Wir sitzen im Café wie alte Männer, die sich zumIMG_0953 Schreiben und Kaffee trinken (oder, sehr beliebt, schwarzer Tee aus bauchigen Gläsern) verabredet haben, während verschiedene Männer 10-Liter-Kanister Ketchup an uns vorbei transportieren. Glücklicherweise finden wir im Supermarkt Bananen und eine neue Haarkur. Der Taksim Square ist lang, belebt und beliebt, aber normal. In Sultanahmet, wo sich auch unser Hostel befindet [Istanbul Hostel, Kutlugün Sk No 35, sehr freundlich und zuvorkommend, dafür aber auch 13 Euro pro Nacht], trinken wir Raki und Bier, entspannen am felsigen Strand und treffen einen Kellner, der Franzosen hasst. Wir lernen einen Freund von Johanna kennen, der mit uns melancholisch am Strand rumsitzt und uns Eis zeigt, das so hart ist, dass man es mit Messer und Gabel essen muss. Er hasst Amerikaner und er hasst es noch mehr, dass sie so fett sind [sagt er!]. Der IMG_1014Abschied von Johanna ist hart, verschiedene Tränen bilden sich in verschiedenen Augen, als sie in einen pinken Zug steigt und zurück nach Norwegen reist. Den einzigen Ausweg, den wir sehen, um die Trauer zu überwinden, ist ein Ausflug mit der Fähre zur Prinzeninsel. Nie haben wir ähnlich abgemagerte, dem Tode geweihte Pferde, die Touristen um eine der Prinzeninseln kutschieren sollen, gesehen. Ebenfalls phantastisch: IMG_0897Zufällig entdecken wir das (laut Inselkarte) größte Holz-Waisenhaus Europas, das rundum abgesperrt, stillgelegt und abgefackelt auf einer der höchsten Erhebungen der Insel rumsteht. Unser Tagesausflug wird beendet durch eine Fahrt mit der Fähre bis nach Usküdar, von der aus wir ungefähr drei Feuerwerke über der scheinbar endlosen Skyline von Istanbul beobachten. Nach fünf Tagen im Hostel reisen wir ab; deprimiert, dass Johanna nicht mehr dabei ist. 

1. September

12:02

Raus aus Istanbul. Eine Vignette zu kaufen dauert Jahre. Öl aufgefüllt nach 2814 km.

15:58

Überfahrt nach Griechenland: Km 3630?? Kann nicht stimmen!

2. September

23:00

Heftiger Regen, die ganze Nacht Sturm und Gewitter

  • GRIECHENLAND | KEINE AHNUNG: SCHILDKRÖTEN, STERNSCHNUPPEN, HAVANNA COLA

Bei der Einfahrt nach Griechenland überfahre P1100531ich fast eine Schildkröte (aber dann doch nicht). Die Nächte sind ein Überdruss an Sternschnuppen (4 in einer Nacht, 1 Wunsch davon ging halbwegs in Erfüllung). Neben uns wohnt ein sehr wütendes Paar, das sein Zelt mit Melonen befestigt. Die Autobahnfahrt läuft wie geschmiert und gebietet Erleichterung. Manche von uns entblößen sich zur Missgunst der anderen. An einer Raststätte, an der sich weit und breit nichts anderes befindet als wir, treffen wir auf jemanden, der gerade aufräumt. Es riecht nach Urin, oft.

3. September

9:45

Abfahrt Mandra Beach

12:10

Wir haben das Gewitter von heute Nacht wieder eingeholt. Zwischenziel ist Odessa, danach Ohrid-See 

16:56

MEZ Grenzübertritt nach Mazedonien KM 3629

  • MAZEDONIEN | ABENTEUER MIT METO UND ANDERE WERDEN VON EINEM PANFLÖTENSPIELENDEN ESTLÄNDER VERFOLGT

P1090813Wir checken am Campingplatz in einem kleinen Ort direkt am Ohrid-See ein und bestaunen mit offenen Mündern ungefähr alles. Der Campingboss serviert uns Espresso, wir lernen einen Hund kennen. Am nächsten Tag nehme ich eine Auszeit und die Jungs fahren auf eine Wanderung. Wutentbrannt erwache ich ein paar Stunden später im Zelt, erklimme flink einen Müllberg und laufe dann zurück, als Meto, ein ungefähr 70-jähriger Mazedone, mich anspricht und sagt, ich soll einen Kaffee mit ihm trinken. Kein Problem. Meto hat zehn Jahre lang in einer Teppichfabrik in Wien gearbeitet, deswegen ist sein Deutsch ausgezeichnet. Wir sitzen am Ohrid-See, ich frage, ob man hier angeln darf, er sagt, ja klar, aber manchmal fängt man nicht so viel. Oft wirft er einen verträumten Blick über den See, sagt dann: „So ist das Leben, weisch, Juli, so ist das Leben“, und nach fünfmal weiß ich es auch. Meto bringt mich zurück zum Campingplatz, lädt mich ein, am Abend mit meinen Freunden und seinem Auto nach Struga zum Essen zu fahren, weil ich ihn frage, DCIM107GOPROwas ich hier essen muss. Ich sage vielleicht zu. Am Straßenrand liegt ein geköpftes Hühnchen. Zum Essen in Struga kommt es nicht, weil die anderen von einem panflötenspielenden Estländer verfolgt worden sind und schockiert von ihrer Erfahrung berichten, während wir Paprika füllen und Fleisch auf den Grill werfen. Zum Estländer nur so viel: Er liebt mazedonische Girls, will nach Deutschland, weil man da 3000 Euro in einem Monat mit Straßenmusik in Berlin verdienen kann und liebt es, Manu Diao im Auto mitzusingen.

5. September

Weiterfahrt von Struga – Camping Rino – nach Shkoder. Km 3883,3. Stimmungslage: Bombe. Der Ohrid-See gehört 1/3 zu Albanien und begleitet uns auch auf der Weiterreise.

13:06

Kurz vor Tirana erreichen wir die 4000km.

15:30

Monsun!! Apokalypse! Wo ist Shokder? Nebel.

  • ALBANIEN | SKODRA: DER EINZUG INS VIERSTERNEKOMMUNISTENHOTEL

Wieder auf der Fährte von unseremDCIM107GOPRO Korrespondenten Passi erreichen wir ein ehemaliges Kommunistenhotel, namentlich Rozafa [Platz Sheshi Demokracia]. Von außen erwartet es die Abrissbirne, von innen wird es den ausgeschriebenen Vier-Sternen gerecht. Wir vermuten, die Frühstückskellner müssen sich wahrscheinlich mit Absicht mürrisch verhalten. Die Stimmung ist gut, der Muezzin ruft in der benachbarten Ebu-Bekr-Moschee zum Gebet, wir erkunden die Stadt, gehen essen, checken ein und dann wieder aus. Irgendjemand sagt, dass Shkoder die heimliche Hauptstadt Albaniens ist. Um 11 Uhr gehen an der hotelinternen Bar die Lichter aus, Kartenspiele im Dunkeln sind schwieriger als Kartenspiele im Hellen. Wir lernen niemanden kennen. An der Straße verkauft ein Händler puppenähnliche Hunde, die sich in winzigen Käfigen befinden.

06. September

9:54

Weiterfahrt von Shkoder nach Mostar. Km4114. Navi sagt 7h Fahrt, aber das ist eine falsche Route.

11:10

Grenze Albanien  Montenegro km 4150

  • BOSNIEN | MOSTAR: CREPES UND ANTIFA

DCIM107GOPROBeliebtester Spot in Mostar ist zweifelsohne der Urban Grill, der zu günstigem Preis wunderbare Burger und Crêpes (oh Crêpes!) serviert. In die „Stari Most“, eine Brücke, die als Wahrzeichen der Stadt gilt, springen oft junge Männer zum Erstaunen und auch zur Begeisterung verschiedener Touristen [diesen Vorgang kann man hervorragend vom Urban Grill aus beobachten, wenn man auf der richtigen Seite sitzt]. Auf den Velez, den Berg neben der Stadt, dürfen wir nicht, weil dort noch Landminen vergraben sind und wir die richtige Route nicht kennen. Die Stimmung ist mittlerweile angespannt, manche wollen lieber alleine sein. Wir spazieren durch die Stadt, trinken Bier im Marshall und anderen skurrilen Orten und besuchen das Antifa-Festival, das leider nach drei Songs schon endet. Zurück also ins Hipsterhotel, wo wir von attraktiven Girls mit blonden, an den Seiten rasierten Haaren begrüßt werden, die extra für uns Bushido auflegen [Hostel Backpackers, Brace Fejica 67]. Eine überdimensionale Pizza mit einem Berg Mayonnaise in der Mitte und Kräuterschnaps erheitern den letzten Abend.

8. September

10:40

Abfahrt Mostar Richtung Kroatien. Km 4420. Alle essen Pizza, Bär verzettelt sich in kleinsten Gassen der Welt. Juli hat erfolgreich 12 Postkarten abgeschickt!

12:01

Grenzübertritt nach Kroatien km 4466 bei Matkovic (billige Grenze)

  • KROATIEN | ÜBERDIMENSIONALE DEUTSCHE BRÜSTE IM NATIONALPARK KRKA UND REGEN IN RIJEKA

DCIM107GOPRODeutsche reisen laut unseren Berechnungen am liebsten mit ihrem Wohnmobil in den Osten, Österreicher mit dem Kleinwagen, Franzosen per Flug. Da man ja das Recht auf eine Reise hat. Mit dem Recht auf eine Reise gönnt man sich auch mal eine Besichtigung des Nationalparks Krkas im Süden Kroatiens, um mit Flipflops über die Wasserfälle laufen. Was dann ansteht: Eine Bootstour. Wir, zu zweit, stehen ganz am Anfang der Reihe, werden noch gebeten zu warten. Dann, unmittelbar danach, ein deutsches Ehepaar, dem Dialekt nach zumindest aufgewachsen in Hessen, ausgerüstet mit Caps und die Kamera easy um den Körper geschlungen, Alter: 45-55, den Ehering an der linken (aha!), wartet mit uns, genauer: hinter uns. Eine Frechheit, dieses Warten, oder? Noch frecher wird es, als plötzlich eine zwölfköpfige Gruppe (um nicht zu sagen Bande) von behinderten Menschen ankriecht, einer davon im Rollstuhl, vermeintlich aus DCIM107GOPROPolen. Der Betreuer erklärt, sie haben eine Reservierung, für zwölf Personen plus drei Betreuer, was sie jetzt tun sollen und dass derjenige, der im Rollstuhl sitzt, auch ein paar Schritte laufen kann. Um uns herum sammelt sich eine Masse von Menschen, die alle das 12-Uhr-Boot gebucht haben. Die ersten Taschen drücken sich in deinen Rücken, oft auch die Brüste der Hessin. Der Bootschef gewährt der Behindertenbande den Vortritt; der Behindertenbetreuer sagt: Wir haben eine Reservierung. Die Deutsche mit den Brüsten rastet aus. Eine Reservierung? Die ersten Behinderten klettern an Bord, auf die Reling. Der Rollstuhlfahrer wird aus dem Rollstuhl gehievt. Eine Unverschämtheit! Jeder hat doch eine Reservierung! Wir haben auch eine Reservierung, sagt die Deutsche mit den Brüsten. Um uns herum wird es immer enger. Die Deutschen fühlen sich von den polnischen Behinderten verarscht. Wann dürfen sie überhaupt endlich an Deck? Und schnappen ihnen jetzt die Behinderten die guten Plätze oben an Bord weg? Was für eine Ungerechtigkeit es in dieser Welt, in diesem Nationalpark Krka gibt, in dem zuerst die Behinderten geschlossen an Bord klettern dürfen. Die Deutsche mit den Brüsten hält es nicht mehr aus, schreit, sagt ihrem Mann, er solle doch endlich die Tickets aus seiner dummen Brusttasche holen, sie kämen ja sonst nie an Bord, alles umsonst gewesen, die Besichtigung des Nationalparks Krka, das Hotel, der gesamte Urlaub, alles ruiniiert durch die polnischen Behinderten. Was sollen sie dann der Familie erzählen? Während der Rollstuhlfahrer nun endlich mit seinem epileptischem Helm auf seinem Platz DCIM107GOPROangekommen ist, bedrängen uns die Brüste der Deutschen umso mehr. Endlich sind diese Behinderten an Bord und sie hält es schon nicht mehr aus, nur noch wenige Plätze gibt es oben. Die Deutsche mit den Brüsten beschwert sich über uns. Was wir hier machen, wieso wir uns vordrängen. Ob der altbewährte Nippelzwicker wohl auch bei ihr funktioniert? Wir haben keine Chance. Wie ein Rammbock stößt sie uns mit ihren überdimensionalen Brüsten nach rechts, damit wir in der Warteschlange keine Konkurrenz mehr sind. Dabei hat sie nochmal Glück gehabt: Die Deutsche mit den Brüsten hat ein Spezialboot, das sie sich nur mit fünf anderen Personen teilen muss. Was für ein Segen! Behutsam hievt der Mann zuerst ihren Körper und danach ihre Brüste in das kleine Boot, das sofort ablegt. Wir lernen inzwischen die Behinderten kennen und der Kapitän, der so riecht, wie man sich einen Alkoholiker vorstellt, erlaubt uns, beim Schiff ganz vorne zu sitzen.

In Rijeka sitzen wir im Regen.

11. September

14:57

km 5076 in Rijeka. Es regnet, regnet und regnet. Dafür kostenlose Nacht von Rothaariger bekommen.

17:59

Ankunft Grenze zu Slowenien. „Das Liechtensteiner Opfer ziehen sie wieder raus“.

18:01

Grenzübertritt

18:02

Ankunft Grenze Slowenien. Neben unseren Pässen sieht Panjabis aus wie eine billige türkische Fälschung. Der Regen dauert bereits einige Wochen. Viele Teilnehmer der Reise lieben die Süddeutsche Zeitung. 28 Minuten bis Graz.

18:51

Ankunft Österreich

  • GRAZ

Begeisterung pur. Wir kaufen etwa 10 Bücher in einem Second-Hand-Shop und einen Graz-Gedenkpulli (grün). Im Grazer Kino schauen wir uns einen Film über Inzest an und sind einen Abend lang verstört, bis wir durch ein Pfanderl und ein paar Bier wieder geheilt werden können. Spontan entscheiden wir uns für die letzte Runde Karten, bevor wir zurück in die WG zu Maik kehren, dessen Schwester zu Besuch ist. Es gibt Chili con Carne und Duschwasser, das man selbst temperieren kann. Selbst die Bettensituation ist einwandfrei.

13. September

10:04

Abfahrt Graz. 5403km BP und Shell wollen uns wohl verarschen. 5773,4km Abfahrt Kammern. geplant: Ziel Haßfurt 22:41 Nachtfahrt. fehlende Personen: Panjabi. ADAC Service included. Juli drückt aufs Gas. Melde mich später zurück.

14. September

1:50

Tachostand: 213,865km, Reisekilometer: 6055km, Spritverbrauch: 7,4Liter/100km. Verluste: 1 (Panjabim)

15. September

21:00

Ankunft Hildesheim. Verlust: 2 Personen. Dauer der Zugfahrt: 4,5 Stunden. Erschöpfungsgrad: 10.000.

Mit gebrochenem Herzen lassen wir Graz nach zwei Tagen zurück und verlieren den Liechtensteiner auf halber Strecke, bevor wir in den 50sten Geburtstag meiner Stiefmutter in der Nähe von München feiern, den Bus in Graz wieder einwandfrei säubern und die letzten Kilometer per Bahn bestreiten. In Deutschland ist Herbst; die Hildesheimer Innenstadt scheint sich in den Wochen unserer Absenz verändert zu haben.

ANHANG BILDMATERIAL:

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Die ISTANBUL-BILDER sind alle (c) Johanna Baschke. Die anderen von irgendwem.

Und ich sag noch, wir können hier auch Honeymoon machen oder die Wahrheit über Rumänien

VON DERM-STARGAST-AUTOR PASCAL RICHMANN

Am letzten Tag saß ich also auf der Couch eines lokalen Fernsehsenders und betrachtete mein Gesicht auf einem der Monitore, die unterhalb der Gürtellinie des Kameramanns angebracht waren. In der kleinen Walachei hätte ich eigentlich ein Interview mit dem Übersetzer von Dea Lohers Dieben führen sollen, doch der hatte andere Pläne und mich kurzerhand ins Frühstücksfernsehen geschleppt, wo mir nun auffiel, dass mir etwas Unappetitliches in den Geheimratsecken klebte, ein geeleartiges Stückchen Schweiß vielleicht, das aber genauso gut etwas anderes sein konnte, unmöglich es über diese Distanz zu erkennen.

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Und ich sag noch, dass Talkshowgäste der Moderatorin oder zumindest anderen Gästen in die Augen gucken sollten, aufmerksam und freundlich und manchmal, anlässlich eigener Worte und unmittelbar vor Werbeblöcken, direkt in die Kamera. Sag, dass überschlagene Beine es genauso gut drauf haben, scheiße auszusehen, wie breite, und dass jeder Blick, der sich im irgendwie nicht existenten Raum des Studios verliert, entweder desinteressiert oder dehydriert auf die Zuschauer wirkt. Ich sag das, sag das alles, sag auch, dass die schlechteste aller Ideen bedeutet, am Wasserglas zu nippen, weil so ein Glas höchstens obligatorisch obsolet, aber nie ironisch isotonisch gemeint ist.

Glücklicherweise war die Frau vom Frühstücksfernsehen sehr nett. Ihre lila Bluse versprühte den fliederfrischen Duft der Kompetenz, auch weil sie perfekt auf die Farbe ihres Lidschatten abgestimmt war. Mich hielt sie für einen deutschen Journalisten, warf den ein oder anderen Scherz unter Kollegen ein, Vertraulichkeiten, deren Pointen jedoch jungfräulich verpufften, was sicher auch daran lag, dass ich ihre Sprache nicht sprach, da machte ich mir nichts vor. Über die Dauer des Dolmetschen wird Sahne zu Butter, so ist das eben in dieser Welt, und später muss der Erdbeerschnitte dann erklärt werden, dass sie besser ein Käsebrot geworden wäre usw.

Bevor die Sendung zu Ende ging, musste ich der Moderatorin noch versprechen, dass ich, wäre ich erst einmal zurück in Deutschland, die Wahrheit über Rumänien schreiben würde. Es sei an der Zeit, sagte sie, mit den Klischees aufzuräumen, die in Europa wie ein Sinti und ein Romalümmel umhergingen, und damit hatte sie natürlich recht, weshalb ich zu nicken begann und aufgekratzt mit der rechten Hand über meinen Kopf fuhr, den Vogelschiss verwischend.

Zuhause goss ich dann zuerst die Sukkulenten und Aloe Vera Pflänzchen, wobei mir trotz spitzer Finger einige Stacheln roh insFleisch stachen, aktualisierte meinen tabellarischen Lebenslauf, schmiss den alten Gummibaum und etwas Müll aus dem Fenster, hauptsächlich Eimer von Kentucky Fried Chicken, in denen abgenagte Knochen wie Herbstlaub raschelten, Bergkäsereste und eine Salami, hart wie Kruppstahl, was insgesamt für ein eigenartiges Echo im Innenhof sorgte, bevor ich zwölf dutzend Bewerbungspakete verschickte, ausschließlich mit UPS, der galanten Fahrer wegen, die so gutgelaunt aus den Schwingtüren ihrer Lieferwagen hechten.

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Wahr ist, dass Rumänien für UPS ein weißer Fleck auf der Landkarte ist. Wahr ist, dass Rumänien im Diercke-Weltatlas von 1991 wie eine Flunder aussieht. Wahr ist, dass die Flunder ein abstoßend hässlicher Fisch ist, so hässlich wie ein Karpfen oder Wels. Wahr ist auch, dass Welse Beine von Badenden einsaugen, wenn sie Bock drauf haben. Wahr ist, dass es im Donaudelta vor Welsen nur so wimmelt. Wahr ist, dass es in Bukarest nach Fisch zu riechen beginnt, im Frühling, wenn die Seen tauen. Wahr ist, dass im Winter auf ihnen Schlittschuhgefahren wird, während ein Sicherheitsmann an einem Fürst-Pückler-Eis knabbert und schleckt. Wahr ist, dass es mehr Sicherheitsmänner als männliche Rumänen gibt und dass vor lauter Sarkasmus SECURITATE auf ihren Rücken geschrieben steht. Wahr ist, dass diese Männer auf ultramodernen Motorrädern und Quads rumfahren, um ein paar krasse Kickstarter für die Girls hinzulegen. Wahr ist, dass riesige Einkaufszentren aus der Erde klettern wie Godzilla aus dem Meer vor Japan. Wahr ist, dass es dort neben ganz viel MEGAFUN auch Honeymoon-Wasserfälle und Lasertag-Arenen mit endzeitesker Raumgestaltung gibt. Wahr ist, dass die Zukunft ein viel zu kleines Land ist. Wahr ist, dass Zigeuner in Kettcars kreuzen. Wahr ist, dass Benno von Archimboldi in Draculas Schloss gegens Gemäuer gewichst hat. Wahr ist

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EINIGES ÜBER ISLAND | TEIL 5: ESKIFJÖRDUR

Eskifjördur ist eine Fischerstadt im Nordosten Islands – mit ungefähr 300 Einwohnern, einem gigantischen Fjord und Gabriel, der in diesem DERM auch stellvertretend für das Alkoholverhalten aller Isländer stehen wird. Gabriel, 20, in Eskifjördur aufgewachsen und jetzt auch in der ortsansässigen Aluminium-Fabrik arbeitend, liebt den Sommer hier vor allem wegen der zahlreichen Festivals und hat in der letzten Woche etwa 200 Euro ausgegeben, um sich für ein Wochenende mit Alkohol zu versorgen. Was er auch gerne trinkt: Den isländischen Todesschnaps, der dich blind machen kann, weil er praktisch purer Spiritus ist und deswegen gut mit Cola oder ähnlichem gemischt werden muss.

Die eskifjördsche Höchsttemperatur in diesen Tagen beträgt 14 Grad. Besonders empfehlenswert ist der Hotdog (!) und das Eis (!) in der Tankstelle (das einzige Geschäft, das zu bestimmten Zeiten zumindest jeden Tag der Woche geöffnet ist). Zur alten Schule, meiner Unterunft in Eskifjördur, gibt es eine Sage: Als sie geschlossen wurde, hat sich die cleaning lady aus Frust wegen Jobverlust im Keller aufgehängt und spukt nun als Geist durch die Räume. Neuer Geist: Dalton, 12, kommt eigentlich aus Amerika, wohnt aber seit ein paar Jahren in Eskifjördur und hat in acht Monaten Isländisch gelernt. Er liebt „food, swimming, dogs and people“, kann ausgezeichnet zu Dubstep tanzen, mag kein Sushi, keine construction und sagt am liebsten „I’m watching you.“ Dalton möchte oft zu Ausflügen mtikommen, aber ist ja erst 12 und es ist schwierig, mit einem Kind in einer Bar zu sein; auch wenn Dalton anbietet, vor der Bar zu warten und inzwischen Handygames zu spielen.

Seit ich in der einzigen Bar des kleines Dorfs (Gabriel hat versprochen, dort findet jeden Samstag die Karaoke-Night statt, nur leider fehlen die Teilnehmer und die Hotels sind ausgebucht, sodass die Veranstalter Rücksicht auf die Reisenden nehmen und die Karaoke-Night erst wieder im September startet) eine etwa 50-jährige Grönländerin kennengelernt habe, nähere ich mich einem Klische, das ich bisher noch nicht persönlich erkunden konnte: Vor ein paar Jahren habe ich irgendwo gelesen, dass es wegen der finsteren Lichtverhältnisse in Grönland eine gesteigerte Selbstmord- und auch Alkoholikerrate gebe; woran ich mich erinnere, als mir die Grönländerin etwas auf Grönländisch sagt und mir dabei ihre letzten 50 Weinschorlen ins Gesicht pfeift.

Nicht selten sieht man in Eskifjördur Skateboarder, die sich von ihren Hunden ziehen lassen und durch die Hauptstraße des Dorfes flitzen. Ich nehme zudem an einer Halloweenparty teil, bei der ich mich als Zombievampir verkleide. Im Fjord versuche ich in regelmäßigen Abständen, von einem kleinen Boot aus einen Fisch zu angeln, den man sich im Restaurant braten lassen kann. Meine Angel bleibt leer, ich bestelle Suppe und vermisse Salat.

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EINIGES ÜBER ISLAND | TEIL 4: SKAFTAFELLSJÖKULL & JÖKULSARLON

genau wie die qualität der straßen ändert sich die landschaft sekündlich; praktisch unmöglich, das überhaupt zu fotografieren. die gespräche mit isländern drehen sich oft darum, dass sie sich eigentlich gar nicht so sehr für die natur per se interessieren – zum beispiel auch der hunter, der mir sagt, ich soll die zigarette einfach auf den boden werfen. denselben boden, den milliarden von volunteers (die hier an jeder ecke stehen und irgendwas aufräumen) praktisch sekündlich säubern, von unkraut befreien und darauf irgendwelche wege für die touristen bauen. was eine afrikanerin zu mir auf einer holzbank gesagt hat: island ist wie eine alte frau, bei der du dich gar nicht traust, sie zu ruinieren und der du deswegen ständig alles gibst, um irgendwie ihre schönheit aufrecht zu erhalten; aber du kannst auch beobachten, dass es ihr persönlich eigentlich egal ist.

auf dem ersten bild siehst du SKAFTAFELLSJÖKULL; erst musst du ungefähr 20 minuten lang einen von volunteers gebauten weg entlanglaufen, um überhaupt erst zu der glescherzunge mit den gigantischen eisblöcken im see und dem riesigen schwarzen strand zu gelangen. die einzigen farbflecken sind da nur die zahlreichen touristen-jacken. gestern munkelte man mir, eine erdplatte sei so komisch verschoben und ins wasser gefallen, dass man eventuell vulkanische aktivität darunter vermuten könne. vorerst aber abwarten. auf dem zweiten bild siehst du mich vor dem JÖKULSARLON, wo ich vier robben gezählt habe. es ist ungefähr so warm, dass man 1 – 2 richtig dicke pullis anziehen kann und immer eine regenjacke dabei haben sollte. im etwa zwei stunden entfernten jökulsarlon siehst du auch touristen und eisblöcke, dazu robben und vögel! mehr kann ich an dieser stelle leider nicht beschreiben, denn das kann keine person dieser welt stemmen.

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viele grüße aus einem pfadfinder-haus & bis zum nächsten mal!

EINIGES ÜBER ISLAND | TEIL 3: VIK

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gudmundur kristjan ist housekeeper und jäger. am liebsten, sagt er, bricht er den puffins das genick und isst sie. er schießt sie nicht, sondern hat eine art netz, das er von seinem versteck ausbreitet, um sie zu fangen. was er außerdem hat: einen golden retriever, eine frau (lola), fünf kinder, eins davon gerade drei monate alt. väter in island können bis zu drei monate nach der geburt eines kindes zu hause bleiben, um sich ums frischgeborene zu kümmern – mütter ein halbes jahr. gudmundur kristjan vermisst es schon, ein paar rentiere in der nähe von eskifjördur zu schießen und möchte gerne lieber wieder auf die jagd gehen, anstatt hier neben dem gym zu leben und ständig den reisenden die tür aufzusperren. aber immerhin hat er damit früh angefangen, mit 19 ist er vater geworden, er liebt kinder und auch familien, sagt er.

in vik wohnen ungefähr 300 menschen; lola ist hier aufgewachsen und will hier auch bleiben, vielleicht aber mal nach österreich ziehen, wenn sie muss, sie liebt jedenfalls wien. die kleine familie samt baby führt beim abendspaziergang zum puffin-hotspot und zieht uns quasi die außerordentlich gefährlichen klippen hoch, leider umsonst, keine puffins hier. die einzigen puffins, die ich in vik zu gesicht bekomme, sind zwei ausgestopfte im woolshop, der mittlerweile 24 stunden geöffnet ist. dass das vor fünf jahren nicht möglich gewesen wäre, sagt lola. und dass mit so einer menge an touristen sowieso niemand gerechnet hätte. problem: island erwartet 2015 mehr als eine million touristen, die einwohnerzahl der gesamten insel crasht gerade mal 300.000.

auf den folgenden bildern siehst du mein kleines wohnmobil unter einem regenbogen, ein kleines islandpony, was ich gestreichelt und ein kleines ding, was ich am strand gefunden habe.

 

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EINIGES ÜBER ISLAND | TEIL 2: SELJALANDSFOSS & SKOGAFOSS & BLACK BEACH

auf island gibt es eine art ringstraße, die einmal um die insel führt, sich „hringvegur“ nennt und über 1330 kilometer lang ist. unsere reise beginnt in reykjavik, 50 jahre nachdem der linksverkehr auf der insel abgeschafft wurde, führt in den süden, in das 300-seelendorf vik, nach eskifjördur im nordosten, dann in den norden und zurück nach reykjavik. zur einstimmung ein paar fotos vom letzten tag in reykjavik. da meine fotografischen talente leider mit kumpelfotografie enden, können in diesem beitrag leider nur die specials stattfinden:

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die meisten straßen bestehen aus schotter, du fährst ungefähr 90 km/h. auf deinem reiseweg befinden sich golden retriever, puffins, delfine und rentiere. ebenfalls: ein isländischer jäger, der dir erzählt, wie er ebendiese puffins und ebendiese rentiere schießt und ihnen das genick bricht, eine übernachtung in einer sporthalle und ein besuch im öffentlichen schwimmbad in vik. wenn du in den süden fährst, kannst du ein paar überfüllte touristenplätze mitnehmen. zum beispiel zwei wasserfälle, SELJALANDSFOSS & SKOGAFOSS. in SELJALANDSFOSS kannst du einmal um den wasserfall herumwandern und von wütenden frauen vom foto-spot verscheucht werden. nahezu jeder tourist bleibt an genau derselben stelle stehen und macht dasselbe foto. mach auch einmal stop beim black beach, iss einen überdimensionalen apfel und schau in die berge, während du auf schwarzem sand liegst und dich das meer mit gigantischen wellen wegspült. in SKOGAFOSS hast du die wahl: entweder du wanderst 432 stufen und erfährst, wie ein wasserfall von oben aussieht; oder du bleibst einfach unten sitzen. da lernst du vielleicht eine isländerin kennen, die aus vik kommt und ihre enkelin jedes jahr an diesen ort bringt. oder eine journalistin aus holland, die seit zwei wochen mit ein paar freunden unterwegs ist und viel über die preise hier nachdenkt.

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mehr über genickbrechende isländer, touristenspots und die kleine reise nach vik erfährst du im nächsten DERM! wir nehmen ebenfalls gerne deine urlaubsstory entgegen. melde dich bei uns!

EINIGES ÜBER ISLAND | TEIL 1: REYKJAVIK | SOZUSAGEN EIN LIVE-TICKER. TOLL!

neuerpartner

in reykjavik gibt es verschiedene regeln, deren befolgung eigentlich einfach ist:

  • du willst die northern lights in island sehen? dann komm im winter, nicht immer sommer, wenns immer hell ist. dummkopf!
  • von der busstation BSI bis in die innenstadt sind es KEINE zehn, sondern mindestens hundert minuten zu fuß. nimm auf jeden fall das flybus plus ticket, wenn du die möglichkeit hast, kleiner als 1,60 bist und mehr als 100 kg gepäck hast. denk auch drüber nach wenn du größer bist und weniger gepäck hast. denk grundsätzlich mindestens einmal in deinem leben darüber nach.
  • geh zum hafen! folge den hinweisen! finde heraus, was der hügel auf der gegenüberliegenden seite bedeutet! schreibe danach eine mail an den derm! gewinne einen preis deiner wahl!
  • gehe an deck eines schiffs! lerne dort circa zehn menschen im alter von 25 bis 65 jahren kennen, die feststellen, dass die plastikbestuhlung vom regen nass ist, sofort milliarden taschentücher aus ihren jack-wolfskin-taschen zaubern. bewundere dann die flinken hände, die unter hektischen bewegungen die sitze trocknen.
  • du musst keinen haifisch essen. er schmeckt ganz normal. du kannst die gelegenheit aber trotzdem nutzen,  in der markthalle, in der jeden samstag und sonntag von 11 – 18 uhr sowas wie riesensecondhand ist. dort kannst du auch zweijährige selbstmordgefährdete kinder sehen, schokolade, klamotten und auch sehr viele pelzmäntel. berühre sie alle, falls du pelz liebst. falls nicht, verbringe deinen sonntag lieber woanders.
  • finde auf jeden fall den unterschied zwischen dem rücken von minkie whales und delfinen (auch delfinbabys) heraus, bevor du eine waltour machst. es lohnt!
  • folge am wochenende einfach den coolsten kids (das sind die mit den gestriegelten frisuren oder die mit dem skateboard), wenn du zur besten party gelangen willst. wenn du nicht zur besten party gelangen willst, wirst du auf jeden fall trotzdem etwas von ihr mitbekommen, wenn du ungefähr im stadtzentrum wohnst. selbst wenn du schläfst, wirst du am nächsten tag ein paar schlafende auf der straße sehen.
  • lerne am besten eine person kennen, die phantastisch rock n roll tanzen kann. es macht sehr viel spaß.
  • freunde dich nicht mit hippies an, wenn du müde bist. sie beginnen in diversen momenten (in denen du vielleicht lieber nichts hören möchtest) auf verschiedenen instrumenten oder gegenständen zu trommeln. das gilt für verschiedene länder.
  • halte dich fern vom busbahnhof (nicht bsi). die stimmung ist in 2 von 3 fällen nicht besonders angenehm.
  • gehe unbedingt ins café babalu, es ist das schönste. setze dich da lieber oben raus oder bekomme drinnen einen nervenzusammenbruch wegen schönheit. schaue dir da in jedem fall das kleine, blaue buch über boston an und finde die geheime botschaft. es ist im oberen stockwerk, neben dem lego.
  • touristen erkennst du an den wanderschuhen, die unabdingbar und sekündlich in der mainshoppingstreet, der laugavegur, auf- und abwandern. mindestens jeder zweite davon hat eine überdimensionalgroße kamera dabei.
  • besorge eine kreditkarte! in island wird alles, sogar am flohmarkt, mit kreditkarten bezahlt. seitdem bin ich sehr dankbar für die herzliche empfehlung der deutschen bank, zu meinem studentenkonto eine kreditkarte (im ersten jahr kostenlos, in den folgejahren 24 euro) hinzuzufügen.
  • im kino in der hverfisgata laufen die besten filme. geh da auf jeden fall hin!
  • isländer sind nett. du kannst ihnen auch dumme fragen stellen, stört nicht.
  • du wirst in absehbarer zeit arm sein, was du nicht merkst (kreditkartenzahlung), deswegen gewöhne dich schnell an bananen, karotten und knäckebrot oder lerne flink die richtigen leute kennen.
  • das mit den „alle fünf minuten ändert sich das wetter“ ist kein witz. be prepared.
  • spring in deinen swimsuit und danach in die hot springs im süden von reykjavik bei 14 grad im freien!
  • genieße dieses wunderschöne bild, es ist die wahrheit.P1070894

 

bis zur nächsten ausgabe, wenn es wieder heißt: baden in einem eisloch macht spaß!

JULIS UPDATE: PROSANOVA 2014, FESTIVAL FÜR JUNGE LITERATUR. DER ÜBERBLICK.

ich soll endlich damit anfangen, abfalllogistisch zu denken, sagt man mir am telefon, als ich mich nach mülltonnen und müllentsorgung erkundige, und vor allem erstmal wissen, was ich genau will. was ich genau nicht will ist: eine eröffnungsrede halten. an diesen tagen gibt es viel zu tun: paletten müssen verbaut, möbel verschleppt, girlanden bestellt und bachelorarbeiten geschrieben werden. das ist normal bei festivals. nicht normal ist, dass zoe und milan bis tief in die nacht vor dem infokiosk den ultimativen stundenplan anbringen, weil sie einfach so sehr wollen, dass die linien gerade sind. marina und ich haben berechnet, dass wir ungefähr 10.000 klopapierrollen in der metro kaufen müssen, marina will von allen sachen 1000 kaufen, weil sie 1000 liebt. curry kalle freut sich auf prosanova. johanna sagt, sie kann einen motorroller und eine betonmischmaschine für die rottenkinckshow besorgen. luca hat sich in ein sofa verliebt. oft sagen leute, es ist sehr stressig, aber in wirklichkeit laufen alle sachen wie am schnürchen. philipp hecht würde gern mehr vom prosanova geist aufsaugen. rebecca freut sich auf die goldparty, weil sie ihre augenringe mit gold überdecken mag. dinge, die wir uns momentan fragen, sind: wie bringt man gold auf alle leute gleichzeitig? woher bekommt man eine hochwertige kaffeemaschine, die nicht gekauft werden muss? wie soll man jemals allen leuten bei exchange-alert die sachen wieder zurückbringen können? welchen kuchen essen leute gerne? wann fährt jana remus zur göttinger literarischen gesellschaft und wird sie von dort zurückkehren? ich liebe tatjana, weil sie eine überraschung bereit hält, für den zeitpunkt des durchdrehens aber ich befolge den rat meines vaters: cool bleiben. zoe, milan, julia aus der schweiz und luca spielen tischtennis; weil es nur drei schläger gibt, benutzt der vierte ein buch. von den würstchen der tag der offenen tür ernähren wir uns heute noch, der ketchup reicht bis zum ende unseres lebens. jaqueline und stephi haben die erste version der festivalzeitung parat und sind auch zufrieden damit. meloudie ist faltsüchtig geworden und holt sich auch sonntags auf dem festivalgelände bücher ab, um sie zu falten, während benjamin in voller panik den fast weggewehten pavillon irgendwie ineinander stopft. isi schwenks team hat uns besucht und bespielt eine eigene insel. vera gefällts gut. auf dem festivalgelände dürfen die brennnesseln nicht vernichtet werden, weil für einige schmetterlinge gerade nistzeit herrscht und wir uns daran halten müssen (und viele von uns wollen das auch). benjamin kleidet sich beim streichen des holzes für den white cube nur in weiß, was komisch aussieht, aber heute war er beim friseur, deswegen nimmt man die veränderung in kauf. er verspürt oft das dringende bedürfnis, sich seiner schuhe zu entledigen. der gin am kiosk kostet 8,40, ich bin 23. dirk ist der boss von der literaturkiche und hat uns auf dem gelände besucht. sein anfang mai geborenes baby hatte er in einem umhängedings vor seinem körper, so dass wir danach darüber gesprochen haben, weil nur manche das sehen konnten. kumpelfotografie läuft in diesen tagen auf hochtouren, nur rossmann ist bei der filmentwicklung so unzuverlässig, dass ich oft wie ein weinender welpe vor den fotobestellungen stehe und mit gebrochenem herzen wieder weggehen muss. die openofficedatei der pressemappe umfasst über 90 mb. wie hochauflösend können bilder denn sein? wenn man etwas beantragt (zum beispiel müllentsorgung, toiletten, bauzäune), muss man sehr betonen, dass man ehrenamtlich ist, weil die leute ja schließlich wissen wollen, was sie unterstützen. es kommen die ersten anfragen, was mit den möbeln, den paletten und sonst auch allem passiert; eine frage, die uns den aufblasbaren baseballschläger zücken lässt, den wir für die fightnight besorgen müssen. leo und sarah von der hawk kommen oft vorbei, weil sie den flur ausleuchten, aber einmal war nur leo da, weil sarah migräne hatte. henning, der für die installationen in der steinhalle verantwortlich war, ist vor netto von einem auto angefahren worden. sophia hat ihn gerettet und sehr schnell erbsen bei netto gekauft, um ihn bei der kühlung zu unterstützen. die andere sophia will uns viele pflanzen besorgen. 116 künstlerinnen und künstler haben wir eingeladen. in mir etabliert sich das gefühl einer mutter, die gut darauf bedacht ist, ihre kinder vor bösartigen fremdeinflüssen zu schützen. diese kinder sind nicht prosanova. diese kinder sind die, die tatjana gerade in die schichtpläne für die letzte festivalwoche einträgt oder alina rohrer, die gerade wieder nussschnecken vorbeigebracht hat oder jonathan, der sich einfach mal so den wischmop schnappt und den bookroom durchfegt. als wir uns daran erinnert haben, dass am 25. mai die europawahl im litradio-flur stattfindet, haben wir drei herzattacken hintereinander bekommen, uns dann an die perfekte organisation vom tag der offenen tür erinnert und sind jetzt wieder normal. am sonntag hat jeder von uns radio tonkuhle gehört, weil sophia und miss sophie und christoph und thomas mielmann einen beitrag gemacht haben. erst drei stunden später konnte ich mich wieder von radio tonkuhle lösen. wir denken noch gar nicht daran, was wir uns von den partys erwarten; wir überlegen: wie kann man es schaffen, so viele kisten zu lackieren, woher kriegt man schiffe und bäume und das internet? welche möbel benötigen die künstler? was passiert da? wo sind wir an diesen zeitpunkten? wer weint als erster? fritz ist beim badminton ins loch gefallen. alona liebt den buchstaben i: auf alle besorgungslisten schreibt sie: käsi, lampenschirmi, aschenbechi. sie hat ins festivalbüro ein fondue-set mitgebracht. für sophia habe ich ein kind besorgt; jetzt brauche ich nur noch „zwei erwachsene männer, die einfach nur mit einem rollstuhl auf dem gelände rumfahren müssen“. pascal reist aus bukarest an, um dieses event mitzuerleben. mit der partyvorbereitung von gesche und hannah läuft es sehr gut. mittlerweile gibt es acht anmeldungen für die pressekonferenz. guido hat zu mir gesagt, dass sein litradio-team den schichtplan in einer sekunde im internet erstellt hat. franzi schurr hat uns auf dem festivalgelände besucht, ihr gefällt es sehr gut. beim tag der offenen tür stand bernd, der hausmeister, mit benjamin im zweiten stock der schule, von dem aus man alle inseln überblicken kann. er hat gesagt: das ist genau richtig, wie ihr das macht. ich bereue, dass ich es in meiner jugend nicht so gemacht habe. ich werde euch nach prosanova vermissen. was komisch für ist, weil er eigentlich kein emotionaler typ ist. litradio macht eine umfrage. in der prosanova-woche gibt es entweder drei gewitter oder es wird sehr sonnig. noch in dieser sekunde beginne ich damit, abfalllogistisch zu denken. das ist der überblick.

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