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TAGEBUCH DER UNERHÖRTEN BEGEBENHEITEN. ZWEI: DER ABENTEURER DES EINUNDZWANZIGSTEN JAHRHUNDERTS ERLEBT SEINE ABENTEUER AUF RASTSTÄTTEN.

28.1.15

Heimfahrt von der Arbeit. Der Benzintank ist auf Reserve. Der Heckscheibenwischer hängt runter als hätte er einen Schlaganfall erlitten. Ich lasse immer mehr dieser zauberhaften Säuberungsflüssigkeit über die Heckscheibe laufen. Teilweise aus Versehen. Er rührt sich einfach nicht. Ein Patient, nicht mehr zu retten. Werde ich in eine Werkstatt müssen? Einem Mechaniker erklären, dass ich gerne seine Reparatur-Dienste in Anspruch nehmen würde? Vielleicht sogar, wenn möglich, bis Feierabend? Schwer vorstellbar. Das sind die unangenehmsten Dinge ja oft: Schwer vorstellbar, aber notwendig. Notwendig und unangenehm gehen ja ohnehin eine ungeschlechtliche aber Langzeit- Partnerschaft ein.

Raststätte Vaterstetten rausfahren. Die Frau mit dem Audi aus Hamburg ist mit ihrem Audi aus Hamburg zum Tanken so unweit nach vorn gefahren, dass ich, der ich zur Betankung meines Citroen gern die Zapfsäule dahinter verwenden würde, befürchte, der Tankschlauch reiche nicht bis zum Tankloch. Stelle den Citroen also mehr oder weniger queer-diagonal. Sieht scheiße aus, könnte unangenehm sein für diejenigen Autofahrer, die gern an den Zapfsäulen gegenüber tanken würden (unangenehm also und eigentlich nicht notwendig). Es gelingt mir, Benzin im Wert von 10,00 Euro in den Tank laufen zu lassen. Kaum etwas verschafft dem Mensch eine vergleichbare Befriedigung.

Ich mache mich also auf den Weg zur Bezahlung von 10,00 (plus Unsumme für ein Bier). Auf den wenigen Metern zwischen mir und dem Tankstellenhäuschen, sehe ich Niederländer. Ich starre hemmungslos. Nicht etwa, weil ich einen Niederländerfetisch hätte, sondern weil die Niederländer Gymnastik machen. Präzise: Kniebeugen. Es handelt sich um eine Frau und einen Mann. Man würde sie als mittelalt bezeichnen. Typus: Funktionsjacken und eher lässige als praktische Wanderschuhe in modischen Farben. Die Frau macht, glaube ich, vor. Der Mann erscheint mir recht wissbegierig, ein Gymnastikstreber auf dem Rasthof Vaterstetten, Kniebeugen machend, vor aller Augen, kaum zu fassen (eigentlicher Erzählanlass). Die Frau in der Tankstelle ist sehr freundlich, sie will dreinochwas von mir. Kann nicht sein, denke ich, habe ja (gottlob!) für 10,00 getankt. Das hat sie überhört, wollte nur das Geld für das Bier (pfui, so teuer! (aber man will ja nicht extra noch zu Tengelmann)).

Manche Parkplätze sind wegen Schneehaufen nicht zu benutzen. Oder anders: Die Schneehaufen begrenzen jetzt die Parkplätze, dadurch sind es weniger geworden. Habe etwas Angst, der harte Schnee könnte meinem Auto beim Parkvorgang Schaden zufügen. Mache Schnee und Eis auch für das Ausscheiden des Heckscheibenwischers verantwortlich. Dann geht aber alles gut.

Drin: Stelle fest, dass ich seit Oktober dieselben Lappen, denselben Schwamm zum Abspülen verwende. Beschließe daher (leicht begeistert wegen der famosen Idee) aus kochendem Wasser, Spüli und dem Spülbecken eine Art Waschmaschine zu bauen. Höre Joy Divsion, um der ganzen Kläglichkeit entsprechend Atmosphäre zu verschaffen. Idee scheitert am sehr kleinen Wasserkocher: Auch mit zwei Füllungen gelingt es mir nicht, den Schwamm vollends unter Wasser zu setzen. Jetzt knistert hinter mir der Schaum. Idee war mittelgut, Begeisterung unangemessen. Die Musik eigentlich zu dramatisch für dieses unwürdige Schauspiel.

Lese dann Jonathan Lethem. Lethem schreibt zum Beispiel: Wahrscheinlich kann man das Folgende nicht vorsichtig genug ausdrücken: Ich für meinen Teil bin zu der Überzeugung gelangt, dass Schwarze eine Menge Wiederholungen schauen. Da muss man wissen, dass der Ich-Erzähler früher mal so eine Art Sitcom-Star war und jetzt noch von den Tantiemen lebt. Oder: Richard Abneg spürte ein feuchtes Schlingern in den Eingeweiden, als die fleischlichen Szenarien, die er sich insgeheim ausgemacht hatte, in sich zusammenfielen. Also solche Sachen finde ich schon gut. Sonst eher nervig, das Buch, zu feucht schlingernd insgesamt. Keine Empfehlung. So endet die Rezension und der Eintrag.

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